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Piedrahita XC-Open 09: Vom Kampf am Pass und Aufdrehen über dem Stierkampf

 

Bericht und Video von Bernhard Fuhrer, Fotos von Urs Dubach

 

12.09.2009 / Am XC-Open in Piedrahita waren die Schweizer mit 20 Piloten auch dieses Jahr wieder gut vertreten. Mit Urs Dubach und mir waren auch wieder zwei Tächi am Start. Das Wetter in Zentralspanien meinte es dieses Jahr zwar besser mit uns, was die Flugtage anbelangte - es konnten 7 Läufe geflogen werden - jedoch waren die Bedingungen mit Ausnahme des letzten Tages eher schwach, und es musste gekämpft und entgegen meinen Hoffnungen meistens in den Bergen geflogen werden.

 

Tächa 2: Beni

Wie bereits angedeutet, war ich eigentlich gekommen, um nach über 90 Stunden Bergfliegen diesen Sommer endlich wieder mal stressfreies Flachland zu geniessen. Leider müssen in Piedrahita in allen Richtungen zuerst ein paar Berge oder Hügel überwunden werden, um das gelobte Flachland zu erreichen. Im Richtung West-Nordwest, wohin auf Grund des Wetters meistens geflogen wird, gilt es zuerst "den Pass" zu überwinden. Diese psychologische Hürde - so hatte ich mir vorgenommen - wollte ich unbedingt an jedem Flugtag schaffen. Nach meiner Definition bedeutet dies nicht nur, drüber zu fliegen und hinten abzusaufen, sondern man muss mindestens den zweiten Schlauch nach dem Pass erreicht haben - dies war nämlich die eigentliche Krux an der Sache.

 

Am ersten Tag ging es mit Höhen um fast 4000 Meter sehr vielversprechend los. Ich kam gut vorwärts, überquerte den Pass mit einer Höhe, wie ich sie letztes Jahr nie hatte und dachte - „YES, erstes Mal geschafft“ - dachte! Nur knapp vor mir auf der Südseite des Tales, welches man nach dem Pass erreicht, war die Spitzengruppe noch etwas höher als ich. Ich steuerte nach dem Pass direkt die nördliche, aber meistens schwierigere Seite an, um zur Spitzengruppe aufzuschliessen, welche ziemlich sicher noch das breite Tal queren würde. Leider fand ich den dazu benötigten Hammerleeschlauch nicht - oder er existierte nur in meinen Wunschvorstellungen. So stand ich nur einen Schlauch nach dem Pass am Boden - Pass nicht geschafft. Dies war der Anfang vom Ende meines Interesses für die Rangliste.

 

Tag 2 war ziemlich stabil, und ich soff kläglich vor dem Pass ab. Tag 3 und 4 versuchte ich jeweils, den Pass nördlich zu umfliegen, was alleine einer Kamikazeaktion glich - mit entsprechend kurzem Flug. Tag 5 war wieder stabil und endete 1,5 Schläuche nach dem Pass. Tag 6 war endlich besser, und mit Südwind war auch die dämliche Mischung aus dynamischem und thermischem Wind an unserer Startkrete (eigentlich eine Abendkrete) vorbei. Nach einem Superstart und erfolgreichem Aufschliessen zur Spitzengruppe verpokerte ich mich jedoch in der Hochebene und musste nach nur knapp 3h landen, um weitere 3h auf den Rückholer zu warten. Nach 6 Flugtagen war es noch niemandem - auch den jeweiligen Tagessiegern nicht - gelungen, das richtige Flachland zu erreichen. Bei der Stadt Avila, ca. 55 km östlich von Piedrahita, versperrte nämlich jeweils eine Nordwindwand den weiteren Weg, und die Piloten mussten jeweils einen ihrer drei frei wählbaren Wendepunkte setzen und umdrehen.

 

Nun am 7. Tag war die letzte Chance - und sie sah mit Südwestwind gar nicht schlecht aus. So war die Taktik schnell besprochen: "Let's go to promised land!" Nach dem es für mich resultatemässig "Frauen und Kinder zuerst.." geheissen hatte, kam doch endlich ein guter Flugtag. Bei Avila den Sprung ins richtige Flachland geschafft und mit drei weiteren Schweizer Kollegen weiterfliegen... Hier noch eine Anekdote aus der Schlussphase des Fluges. Bei ca. Kilometer 120, kurz vor einer kleinen Stadt, drehen wir auf. Suby, welcher während dem ganzen Flug versuchte, kamikazemässig das Tempo zu erhöhen, ist plötzlich am höchsten und fliegt weiter, die anderen beiden ziehen mit, und ich lasse mich, obwohl ich die sichere Höhe noch nicht erreicht habe, dazu verleiten, mitzuziehen. Als ich aber - mit Gegenwind und Schatten konfrontiert - merke, dass dies nicht klappen wird, bleibt mir nur noch die Möglichkeit zurück zu der Stadt zu fliegen, wo wir die letzte Thermik hatten. Nach 1-2 km überfliege ich mit nur noch 500 Meter die Stadt und die Stierkampfarena, in welcher tatsächlich gerade ein Kampf stattfindet! Kurz danach finde ich einen Schlauch, verabschiede mich mit 2-3 Metern pro Sekunde von dem Geschehen und bekomme so das Ende des Kampfes nicht mehr mit. Ich fliege lieber weiter bis Kilometer 149 - Ende gut, alles gut!

 

Tächa 1: Urs

Urs hatte im letzten Jahr nach einem starken Beginn ähnliche Probleme mit dem Pass wie ich und hatte sich für dieses Jahr vorgenommen, ohne grosse Ambitionen - und somit ohne selbstauferlegten Druck - zu fliegen. Ob es daran lag oder an seiner allgemeinen Hochform, weiss ich nicht - jedenfalls war Urs schon ab dem ersten Lauf der stärkste in unserem Rückholteam und verursachte regelmässig die längsten Rückholfahrten. Urs stellte sich den herausfordernden Bedingungen mit viel Biss und holte mit einem 7., 3. und 2. Rang, sowie mit einem Laufsieg den 4. Gesamtrang. Mit 180km flog er am letzten Tag sogar die zweitlängste Distanz der ganzen Wettkampfwoche. Und dies erst noch alleine und tiefer als nötig - er war auf einer südlicheren Route als wir unterwegs und hatte die dortige TMA-Untergrenze falsch in Erinnerung. Nochmals Gratulation!!!!

 

Rückholteam

Unsere Wohn- und Fahrgemeinschaft bestand nebst Urs und mir aus Mario Pfister, Philip Mettler und Suby Lütholf, welche auch schon letztes Jahr dabei waren. Als weitere bereits erfahrene Streckenflieger waren Thomas Blatter und Frédéric Bourgault dabei. Streckenneuling Reto Müller schlug sich auch gut und flog am ersten Tag - wie auch alle anderen des Teams - sogar weiter als der Schreibende. Die Damen wurden durch Randi Erikson vertreten, welche auch den einen oder anderen Tagessieg bei den Damen erflog. Sicher nach Hause gebracht wurden wir wie bereits letztes Jahr von Marina, unserer katalanischen Chauffeurin, um welche wir von diversen Teams beneidet wurden. Alle zusammen ein super Team. It was a hole lot of fun!

 

Unschlagbare Genfer

Wie letztes Jahr war auch wieder das Team aus der Romandie in Piedrahita, mit welchem wir auch sehr viel Spass hatten. Die drei Genfer Paul Tomassi, Reynald Mummenthaler und Martin Muller waren in Hochform und besetzten in der genannten Reihenfolge auch gleich das Siegerpodest der Gesamtrangliste. Da in diesem Jahr in den anderen Austragungsorten der XC-Open-Series nicht so viele Läufe geflogen werden konnten, räumte Paul Tomassi auch noch gleich bei der Jahreswertung ab. Félicitation! C'était sympat avec vous!

 

Vielleicht nächstes Jahr im Juli

Das anfänglich etwas stabile Wetter veranlasste in unserem Team Diskussionen, ob man nicht mal im Juli nach Piedrahita fahren sollte, um das wahre Potential dieses Gebietes zu ergründen. Wer weiss, vielleicht sieht man nächsten Sommer in Piedrahita plötzlich Tächi und Störche gemeinsam aufdrehen...

 

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Video


Piedrahita 2009
Von Beni Fuhrer
(Quicktime/mp4/16MB)