"Ohne ein weinendes Auge":
Der Presi zieht Bilanz

 

30.12.2009 / Unser langjähriger Presi Dres Ringgenberg will auf der kommenden Hauptversammlung sein Amt abgeben. Im Interview blickt er zufrieden zurück auf seine Amtszeit und optimistisch in die Zukunft.

 

 

 

Dres, Ende Januar willst du auf der HV die Präsidentschaft niederlegen – nach immerhin 13 Jahren. Bist du mittlerweile amtsmüde?

Nein, es ist bis heute eine interessante und bis auf ganz wenige Momente immer auch sehr angenehme Aufgabe geblieben. Ich möchte einfach nicht am Präsidentenstuhl kleben bleiben. Wir haben im Club viele tüchtige junge Leute, die sollen jetzt das Heft in die Hand nehmen.

 

Was hatte dich 1997 dazu motiviert, Präsident zu werden? Was waren deine Ziele?

Ich war zuvor gar nicht im Vorstand, und es war ja der Vorstand, der damals einen neuen Präsidenten suchte und mich darauf ansprach. Es war mir von Anfang an wichtig, die verschiedenen Ansichten und Interessen unter einen Hut zu bringen. Im Club sollte sich nach Möglichkeit jeder zu Hause fühlen. Das war im Übrigen all die Jahre die Haltung des gesamten Vorstands.

 

Macht es eine solche Einstellung nicht schwierig, klare Entscheidungen zu treffen?

Interessen abzuwägen heisst ja nicht, sich vor klaren Entscheidungen zu drücken. Natürlich gab es in den 13 Jahren Entwicklungen, wo Club und Vorstand deutlich Position beziehen mussten. Das haben wir auch getan. Dabei steht jeder Einzelne natürlich auch mal auf der Seite der Minderheit. Wichtig war, dass wir die wesentlichen Entscheidungen nicht über die Köpfe der Mitglieder hinweg getroffen haben.

 

Hast du die gesetzten Ziele erreicht?

Ja, wir haben unsere Ziele erreicht. Das möchte ich mir aber nicht zu sehr auf die eigene Fahne schreiben. Wir verdanken das einerseits einem sehr aktiven Vorstand, in dem sich über alle Jahre hinweg jede und jeder einzelne voll engagiert und einen guten Job gemacht haben. Und wir verdanken das den vielen Clubmitgliedern, die sich aktiv für die Interessen und Projekte des Vereins einsetzen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Es gibt keinen anderen Club in Grindelwald, der selbst bei einem Grossanlass ohne viele Überredungskünste auf Anhieb genügend Helfer in den eigenen Reihen findet. Ich habe das immer als besonders positiv und motivierend empfunden.

 

Kannst du weitere Beispiele nennen?

Bei den Tächi haben Spitzensportler und Wettkampfpiloten heute genauso ihren Platz wie Genussflieger und Flugschüler. Und Grindelwald hat den einzigen Fliegerclub, in dem das Tandemteam und die Flugschule integriert sind.

 

Was waren für dich die Highlights in deiner Amtszeit?

Es ist schwierig hier Einzelnes hervorzuheben. Natürlich habe ich mich immer sehr über die vielen sportlichen Erfolge unserer Mitglieder gefreut. Besonders beeindruckt hat mich das riesige Engagement quer durch den Club für die Ausrichtung des Weltcup-Anlasses im Jahr 2008. Hier haben alle einen exzellenten Job gemacht, das hat dem Club von unterschiedlichster Seite viel Anerkennung gebracht. Dankbar bin ich auch für die gute Kooperation mit der First- und Jungfraubahn. Das gute Einvernehmen hilft uns sehr, unsere Infrastrukturkosten kalkulierbar zu halten.

 

Gab es auch negative Höhepunkte?

Innerhalb des Clubs kann ich mich an nichts derartiges erinnern. Im Umfeld gab es auch mal unerfreuliche Dinge, allerdings nichts, was uns nachhaltig verärgert oder geschadet hätte. Da muss ich keine alten Geschichten aufwärmen. Um es positiv zu formulieren: Ich wünsche mir, dass den regionalen Belangen der Schweizer Clubs von übergeordneter Seite mehr Aufmerksamkeit und Verständnis entgegengebracht wird. Ich erwarte gar nicht, dass unsere Probleme überregional gelöst werden. Aber wir müssen vom SHV über Dinge, die uns unmittelbar tangieren, rechtzeitig informiert werden, damit wir sie gegebenenfalls selbst in die Hand nehmen können.

 

Was erwartest du von deinem Nachfolger? Welche Tipps kannst du ihm geben?

Ich bin absolut optimistisch, dass er seine Sache gut machen wird. Ich werde aber weder Forderungen aufstellen noch Empfehlungen geben. Die junge Generation ist gut aufgestellt und braucht keine Ratschläge. Ausserdem ist Wyss Daniel bereits seit einem Jahr gut in den Vorstand integriert. Der Übergang wird reibungslos verlaufen.

 

Wie siehst du generell die Zukunft unseres Clubs?

Ich mache mir um die Tächi keine Sorgen. Wir haben tolle Mitglieder und einen Vorstand, der sich auch strategisch mit der Zukunft unseres Sports auseinander setzt. Somit haben wir im Club beste Voraussetzungen, um die eigene Zukunft aktiv und positiv zu gestalten. Darüber bin ich froh, und so werde ich meinen Stuhl dann auch ohne ein weinendes Auge räumen.

 

Hast du noch spezielle Wünsche an Clubmitglieder und Vorstand?

Ja, die habe ich: Bleibt so engagiert, wie ihr seid, und macht weiter so!

 

 

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