Als Rückblick auf eine gelungene Eigertour präsentieren wir euch noch Dubis Kommentare zum Geschehen auf deutsch zum nachlesen:
Gratulation an Tächi-Mitglied Chrigel Maurer zur grandiosen Leistung und zum Sieg!
Gleitschirm Eigertour Edition 9 2026
Donnerstag 02. Juli 2026; 12.00 h
Sprichworte!
Das Spitzenduo Heiniger/Michi Maurer musste sich nach der Querung zum Stockhorn überholen lassen. Chrigel Maurer führt das Rennen an.
„Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“; „die letzten werden die ersten sein“. Zu jedem Sprichwort, jedem Leitsatz gibt es bekanntlich auch seine Antithese. An vielen X-Alps wurde aus einem kleinen Vorsprung ein Grosser, konnten die Verfolger ein Hindernis gerade nicht mehr nehmen, ging Ihnen am Abend die Thermik aus. Bei der letzten Austragung war es gerade anders. Alle Ausreisser verspielten ihren Vorsprung recht bald. So ging es heute Morgen auch Michi Maurer und Nicola Heiniger. Sie waren zu früh bei der Boje Niederhorn vor der kniffligen Querung zur Stockhornkette. Natürlich wäre es im Nachhinein besser gewesen auf die Verfolger zu warten. Aber so genau kann man das nie wissen, wie eben auch Sprichworte nur Fakten illustrieren und nicht die Zukunft voraussagen können.
Für Nicola Heiniger hält sich der Schaden wohl in sehr kleinen Grenzen, Michi Maurer muss aber einen Rückstand aufholen. Vorne der Adler und die famose Romy Sweda. Aber die Spitzengruppe ist noch nah beisammen.
Urs Dubach
Donnerstag 02. Juli 2026; 20.30 h
„Advantage Maurer“
Nur das Spitzentrio Chrigel Maurer, Meerstetter und Alongi hat nach einem sensationellen Flugtag noch Chancen die Eigertour zu gewinnen, mit einem leichten Vorteil für Maurer.
„Hike and Fly“ heisst wenig passend unser Sport. „Fly! Don’t hike“ ist das eigentliche Motto, oder wenigstes Fliege so viel du kannst, laufe nur so viel, wie du unbedingt musst. Natürlich ist die heutige Strecke von Marbach über Rocher den Naye bis ins Lauterbrunnental mit 15 Zwischenlandungen eine sensationelle Leistung. Aber sie kam vor allem auch dadurch zu Stande, dass zum Erreichen der Bojen und zum Starten von diesen kaum oder gar nicht gelaufen werden musste. Das Timing stimmte ideal, Voralpen mit differenzierten Expositionen durch den Tag, Nord- Nordwestexpositionen entlang des Hauptalpenkamms am späteren Nachmittag und Abend. Die Hütten waren weder zu hoch noch zu tief gelegen. Bei diesem schnellen Fortkommen waren am Anfang des Tages eingefangene Rückstände kaum mehr aufzuholen, was insbesondere Michi Maurer schmerzlich erfahren musste.
Chrigel Maurer führte ab Stockhornkette dieses Rennen an und dahinter kristallisierten sich Lars Meerstetter und Tim Allongi immer mehr als die einzigen ernsthaften Contenders heraus. Die Frage lautete: Läuft Maurer irgendwann gegen eine nicht mehr fliegbare Stelle an oder schlägt vorher hinter ihm eine Türe zu: Aufholen oder Vorentscheidung! Das „Hohtürli“ zwischen Kien- und Lauterbrunnental blieb fürs erste offen und man begann sich mit einer dritten Möglichkeit auseinander zu setzen: Dass das Time-limit von 20.30 h einfach die Rückstände einfrieren würde. Chrigel landete auf dem Weg zur Lobhornhütte bei der Winteregg. Würden Alongi und Meerstetter das auch schaffen? Nein, es reichte nur noch bis Mürren, aber auf die gleiche Meereshöhe und Hangexposition wie Maurer. Entschieden ist damit noch nichts, aber in Wimbeldon würde es trotzdem heissen: „advantage Maurer!“
Nicht nur das Spitzentrio, sondern insbesondere auch das Verfolgerfeld bis und mit Romy Sweda zeigten exzellente Flugleistungen. Schade um ihr „Mésaventure“ auf der Abendseite der Lauenen. Romy, vielleicht kannst du dich damit trösten, dass du hier nicht die erste bist, die diese, etwas komplexeren Hänge nicht ganz richtig einschätzt, der Autor eingeschlossen, und sicher auch nicht die letzte sein wirst, die diese Stelle fluchend und zu Fuss verlässt.
Urs Dubach
Gleitschirm Eigertour Edition 9 2026
Freitag 03. Juli 2026; 12.00 h
In grossem Stil
Chrigel Maurer verteidigt seine Führung und siegt noch heute Vormittag vor Vorjahressieger Meerstetter und dem Franzosen Alongi.
Chrigel Maurer beendet die 9. Eigentour als Sieger im grossen Stil. Äusserst spektakulär meisterte er die an Abendhängen gelegen letzten Bojen Eigergletscher, Bäregg und Gleckstein fast gänzlich fliegerisch. Er nutzte dazu das gegenüberliegende von der Morgensonne beschienene Osteck des Eigers und liess sich auch durch einen ersten Fehlversuch nicht entmutigen. Die Niederlage am letztjährigen X-Alps scheint ihm nicht einen Dämpfer, sondern im Gegenteil neue Motivation gegeben zu haben. Alle schauen nun natürlich auf diese schöne Lösung zwischen Stieregg und Bäregg. Aber wenn ihr wirklich etwas von Chrigel lernen wollt, nehmt lieber denn völlig unspektakulären und höchst effektiven Track zwischen Männlichen und Stieregg unter die Lupe, insbesondere die kurzen klaren Entscheide wann etwas versucht und wann es wieder losgelassen werden sollte.
Eigentlich war Maurer heute Morgen in einer etwas heiklen Lage. Ohne Thermik vorauszugehen, im Wissen, dass nur kleine Veränderungen in der Luftmasse oder der Linienwahl seiner Verfolger diesen den Vorteil bringen könnten. Allerdings musste Meersteter zuerst einen Penalty wegen eines Bojenfehlers vom Vortag absitzen und hatte Alongi Pech bei der Landung unterhalb des Männlichen. Er musste seinen Schirm notdürftig reparieren. So war recht früh klar, dass der Sieger eigentlich nur Maurer heissen konnte.
Meerstetter holte Alongi auf dem Männlichen wieder ein und erflog sich mit spezifischen Grindelwaldkenntnissen, über dem Schattwald und im Firstgebiet den zweiten Rang. So bleibt dem guten und tapferen Franzosen nur der dritte Rang auf dem Podium. Er hat mich aber überzeugt, mit ihm wird in Zukunft noch zu rechnen sein.
Urs Dubach
Gleitschirm Eigertour Edition 9 2026
Freitag 03. Juli 2026; 20.30 h
Die Elite und das „Sefinenproblem“
Chrigel Maurer verteidigt seine Führung und siegt noch heute Vormittag vor Vorjahressieger Meerstetter und dem Franzosen Alongi.
Die Sefinenfurgga ist ein 2611 m hoher Pass zwischen Kiental und Mürren, respektive den Bojen 20 und 21. Er stellt sich den aus Westen kommenden Heimwehgrindelwaldnern in den Weg. Auch der Autor kam einst nur mit angezogenen Beinen nach Hause. Die Gemeinheit für die Eigertourer ist das westlich angrenzende Wildschutzgebiet. Landen verboten, heisst drüber kommen oder umkehren! Je nach Basishöhe ist das am Abend oft möglich, am Morgen hoffnungslos und dazwischen ein Glücksspiel. Deshalb sind Heiniger und Eschbach heute Morgen marschiert, heisst Boje 20 bis 21 in 2 ½ Stunden. Montavon, Michael Maurer, Glatthard und Romy Sweda flogen einen weiten nördlichen Umweg, Zeit 1 ½ Stunden. Der Brite Swanson-Low fand kurz nach Romy den Schlüssel wieder und brauchte 30 Minuten!
Mit diesen Namen sind wir bei der Elite des Feldes. Pilot:innen, welche zwar nicht um das Podium mitkämpfen konnten aber uns trotzdem Super Sport gezeigt haben. Maurer, Sweda und Heiniger hätten es ohne „schwarze Löcher“ eventuell noch weiter nach vorne gebracht. Das sind gute Nachrichten bezüglich der Breite im Schweizer Hike and Fly Sport.
8 Piloten sind bereits im Ziel. Romy und Dougie werden das nach dem Aufstieg zur Glecksteinhütte morgen Vormittag schaffen. Gut 15 weitere Athleten dürften noch die reelle Chance bekommen die Eigertour bis Kontrollschluss 17 h zu beenden.
Urs Dubach
Samsatg 4. Juli 2026;
Ein schöner Wettkampf
Weniger ist manchmal mehr. Bilanz einer sehr schönen Eigertour.
Wie erwartet kamen die „Blüemlisalpgruppe“ die beiden Franzosen sowie zusätzlich noch der Slovene Stirn und der wegen Trackerproblemen „verlorene“ Chinese Chen zeitig ins Ziel. Damit haben 24 von 41 Athleten die 9. Eigertour beendet, 10 Piloten mussten aufgeben. Michael Maurer verlor wegen einer Strafe noch einen Rang.
Eine Bilanz. Vom Tasksetting und den Verhältnissen her war die 9. Eigertour vielleicht etwas weniger Furcht einflössend als auch schon. Alpenquerungen waren nicht auf dem Programm. Das Wetter hielt sich nach einem ersten Regenmorgen gut. Es zeigte sich, wie oft auch in anderen Sportarten, dass anspruchsvolle aber nicht extreme Kurssetzungen den sportlichen Wert eher erhöhen. Das Alleinstellungsmerkmal der Eigertour blieb mit den vielen Hütten entlang des Hochalpenkamms und dem Klassiker Glecksteinhütte als Schlusspunkt trotzdem erhalten. Der Ausflug ins Vorgebirge war interessant und brachte mit der Thunerseequerung eine erste Vorentscheidung.
Sieger Chrigel Maurer hat überzeugt, führte das Rennen ab dem zweiten Drittel stets an und brachte den Vorsprung sicher ins Ziel. Es scheint, dass der souveräne, überlegene Adler von Adelboden wieder da ist. Die potenziellen X-Alps Konkurrenten werden das auch mitbekommen haben. Lars Meerstetter bestätigte seine grosse Klasse und mit dem Franzosen Tim Allongi haben wir einen weiteren ernsthaften Herausvorderer aus Frankreich kennen gelernt. Romy Sweda hat imponiert. Abschnittsweise konnte sie mit den Topcracks mithalten. Und wenn man ihr Rennen genau analysiert, ist sogar noch mehr Potenzial vorhanden.
Erfreulich die International Beteiligung und vor allem, dass man die Eigertour in Frankreich, der anderen Topnation, wahrnimmt. Und noch etwas schönes zum Schluss: Ich habe viel über Athleten und nichts über Material geschrieben.
Urs Dubach
Wetterstation Grindelwald-First
Schreckfeld, Grindelwald First
Letzter Post: 05-Jul-2026
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